Newsletter: Tiergesundheit
Vorsorge ist aktiver Tierschutz
Liebe Hunde- und Katzenfreunde,
im letzten Newsletter hatten wir Sie gefragt, was Sie im Urlaub mit Ihrem Tier machen. Fast die Hälfte der Hundebesitzer gaben an, dass sie ihren Hund mit in den Urlaub nehmen. Nur jeder fünfte lässt ihn zuhause bei Familie, Freunden oder Bekannten. Ebenso viele bleiben lieber mit ihm zusammen daheim. Nur Wenige (rd. 7 Prozent) geben den Vierbeiner in eine Tierpension. Die meisten Katzenbesitzer dagegen lassen Ihre Samtpfote in der Obhut von Vertrauenspersonen oder fahren gar nicht erst weg.
In dieser Newsletter-Ausgabe machen wir Sie auf vermeidbare Risiken aufmerksam: Wir informieren Sie über die Verletzungsgefahr durch Grannen, Anzeichen von Übergewicht/ chronischer Gelenkerkrankung und warum man sein Tier nicht einfach selbst behandeln sollte.
Grannen: Gefahr für Hund und Katze
Im Sommer bereiten Grannen von Gräsern und Getreide Hunden und freilaufenden Katzen immer wieder Ärger. Bei Berührung brechen die langen Ähren oder Ährenteile leicht ab und heften sich am Fell an. Feine Widerhaken verhindern ein Abschütteln und lenken die Grannen tiefer ins Fell. Mit ihren spitzen Enden können sie in alle Körperöffnungen und Hauttaschen oder -falten eindringen und schmerzhafte Fremdkörperabszesse verursachen. Häufig geraten sie in Pfotenballen, Zwischenzehenhaut, Achselhöhle, Augen oder Ohren, manchmal auch beim Schnüffeln in die Nase. Man sollte deshalb jetzt besonders aufmerksam sein, wenn sich Hund oder Katze plötzlich ausdauernd die Pfote lecken oder humpeln, ein Auge zukneifen, den Kopf heftig schütteln oder ihn schief halten, andauernd niesen oder die Nase blutet. Bei Fremdkörperverdacht ist umgehend der Tierarzt aufzusuchen, um bleibende Schäden zu verhüten! Prophylaktisch ist es sinnvoll, vor allem bei langhaarigen Hunden und Katzen das Fell an den Pfoten kurz zu scheren und die Haut zwischen den Zehen täglich zu kontrollieren, damit Grannen gleich entfernt werden können.
Risikofaktor Übergewicht
Bis zu 50 Prozent aller Hunde und Katzen sind übergewichtig oder sogar fettleibig. Zu viel Speck auf den Rippen zu haben ist aber nicht nur eine optische Angelegenheit. Es ist ein erheblicher Risikofaktor für Krankheiten wie Diabetes, Herz-/Kreislauf- und Gelenkerkrankungen, die die Lebenserwartung eines Tieres um bis zu 2 Jahre verkürzen können. Außerdem vertragen „Dickerchen“ weniger Hitze, sind reizbarer und nicht so beweglich wie ihre normalgewichtigen Artgenossen. Häufig ist auch ihr Immunsystem geschwächt. Zu viel Fressen ist die Hauptursache für eine Gewichtszunahme. Nimmt ein Tier mehr Kalorien auf als es verbraucht, werden die überschüssigen Kalorien in Form von Fettpolstern unter der Haut und um die inneren Organe herum gespeichert. Die normalen Körperfunktionen können so beeinträchtigt werden. Bei vielen Tieren wird der Grundstein zum Übergewicht schon im Welpenalter gelegt. Dauerhaft zu viel zugeführte Kalorien, führen letztlich zur Fettsucht. Als fett wird ein Tier erachtet, wenn sein Körpergewicht 20 Prozent über dem Idealgewicht seiner Rasse liegt. Das Risiko für Fettsucht nimmt im Alter zwischen 6 und 12 Jahren deutlich zu. Für eine langfristige Gesundheit und das Wohlbefinden von Hund und Katze sind eine bedarfsgerechte Ernährung und eine artgerechte Haltung unerlässlich.
Warnsignale beachten
Hunde größerer Rassen vor allem im mittleren oder fortgeschrittenen Alter erkranken häufig an der so genannten Osteoarthritis. Als Folge unterschiedlicher Gelenkprobleme kommt es bei dieser schmerzhaften, chronischen Knochen-Gelenk-Entzündung sowohl im Gelenk selbst als auch an den Knochen des Gelenks zu degenerativen Veränderungen. Betroffen sind meist die Gliedmaßen- und Wirbelgelenke. Erster Hinweis kann eine verminderte Aktivität oder einfach die Verweigerung mancher Bewegungen sein. Läuft oder spielt der Hund weniger als früher, braucht er länger beim Einsteigen ins Auto oder Treppensteigen sind das Warnsignale, die Hundehalter nicht ignorieren sollten.
Eine Heilung gibt es für die erkrankten Tiere nicht. Eine frühzeitige einsetzende Behandlung kann jedoch in den meisten Fällen das Fortschreiten des Zerstörungsprozesses im Gelenk deutlich verlangsamen und dem Hund zu einem angenehmeren Leben verhelfen. Je nach Fall und Symptomatik gehören regelmäßige Bewegung in gemäßigtem Tempo, gezielte „Krankengymnastik“, Diät bei übergewichtigen Patienten und entzündungshemmende Medikamente zur Therapie. Aber auch operative Eingriffe können nötig werden. Vorbeugend können Ergänzungsfuttermittel mit speziellen, rein biologischen Wirkstoffen eingesetzt werden.
Nachgefragt: Medikamente fürs Tier aus der Apotheke
Tierärztin Astrid Behr vom Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte:
„ Wenn sich Tierhalter Medikamente für ihr Tier ohne tierärztliche Diagnose einfach in der Apotheke besorgen, kann das aus folgenden Gründen gefährlich werden:
• Aus der Sicht des Laien sind Krankheitssymptome eines Tieres sehr leicht falsch zu deuten.
• Hinter einem harmlos erscheinenden Symptom verbirgt sich oftmals eine ernst zu nehmende Erkrankung, die der unverzüglichen Behandlung durch den Tierarzt bedarf.
• Verschiedene Tierarten können auf dasselbe Medikament in sehr unterschiedlicher Weise reagieren.
• Arzneimittel zur Linderung menschlicher Beschwerden können - beim Tier angewandt - unter Umständen tödlich wirken oder fügen dem Tier erhebliches Leid und Schmerzen zu.
• Ein falsch eingesetztes Medikament schadet mehr als es nützt. Was das Tier des Nachbarn von seinem Leiden kuriert hat, kann für das eigene von schwerem Schaden sein oder bestenfalls nicht wirken.
Eine fehlende tierärztliche Diagnose führt vielfach auch zu unnützer Geldausgabe. So wird z. B. nicht jeder Bandwurm durch die routinemäßige Wurmkur wirksam bekämpft. Mit seiner Diagnose leitet der Tierarzt die gezielte Behandlung ein, für die er nicht nur das für die jeweilige Tierart und Rasse geeignete Medikament, sondern auch dessen individuelle Dosierung festlegt. Das oberste Gebot eines jeden verantwortungsvollen Tierhalters ist deshalb: Zuerst die tierärztliche Diagnose, dann das Medikament!“
Weitere Infos gibt es im Internet auf www.smile-tierliebe.de
© Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V., bpt